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Pilates erlebt aktuell ein starkes Wachstum im Gesundheitsmarkt und findet zunehmend den Weg aus Studios und Fitnesszentren in physiotherapeutische Behandlungssettings. Die Kombination aus präziser Bewegungssteuerung, funktioneller Kräftigung und bewusstem Atemeinsatz eröffnet Patient:innen und Therapeut:innen neue Möglichkeiten in Rehabilitation und Prävention. Wir haben mit Lucio Carlucci von der Physiotherapie MEDITOPCENTER in Seengen über seine Erfahrungen gesprochen und darüber, warum Pilates in seiner Praxis zunehmend zu einem strategischen Bestandteil der Behandlung geworden ist.

Wie kamst du dazu, Pilates in die Physiotherapie zu integrieren?

Ich habe oft erlebt, dass Patient:innen in der Therapie zwar Fortschritte machen, diese aber im Alltag nicht ausreichend verankern können. Pilates bietet ein strukturiertes System, das Bewegungsbewusstsein, Stabilität und Koordination gleichzeitig schult. Genau dieser Transfer von der Therapie in den Alltag oder in sportliche Aktivitäten hat mich überzeugt: Pilates ergänzt die physiotherapeutische Arbeit und macht sie langfristig wirksam.

Was hat dir gezeigt, dass Pilates eine sinnvolle Ergänzung sein könnte?

Bei chronischen Beschwerden, nach Operationen oder bei komplexen funktionellen Einschränkungen reichen isolierte Kraftübungen oft nicht aus. Das wissen Physiotherapeut:innen schon lange und integrieren daher propriozeptive sowie funktionelle Elemente in die Behandlung. Pilates bringt ein weiteres, wertvolles Element hinzu: Körperspannung und Core-Stabilisierung in jeder Übung. Es fordert eine deutlich erhöhte neuromuskuläre Koordination und stärkt die akzessorischen Muskeln bereits bei sehr einfachen Übungen und geringer Dosierung. Der Patient wird befähigt, Bewegung in einem ungewohnten Setting bewusst zu steuern statt sie nur auszuführen. Diese qualitative Verbesserung kann den entscheidenden Unterschied machen, welcher zum Behandlungserfolg führt.

Wir sehen deutliche Effekte bei:

  • lumbale und cervikalen Beschwerden
  • postoperativer Rehabilitation (Hüfte, Knie, Schulter)
  • Haltungsschwächen in jedem Alter
  • neurologischen Koordinationsdefiziten
  • Sportler:innen mit hohen technischen Bewegungsanforderungen
  • Personen, die seit Jahren konventionelle Übungen machen und neue Motivation benötigen

Welche Veränderungen beobachtest du bei regelmässiger Pilates-Reformer-Anwendung?

Die Patient:innen entwickeln ein deutlich ausgeprägteres Körpergefühl und entdecken Freude an dieser Form der Bewegungstherapie. Gleichzeitig beginnen sie, aktiv Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen. Schutzspannungen nehmen ab, das Selbstvertrauen in die eigene Bewegung steigt. Die Haltung verbessert sich durch einen gestärkten Core. Das sind klare Zeichen für eine erfolgreiche Rehabilitation.

Wie reagieren die Patient:innen?

Viele sind überrascht, wie intensiv Pilates-Reformer-Übungen bereits bei tiefster Dosierung sind. Ein Satz, den wir häufig hören: «Es ist nicht zu streng, aber meine Muskeln zittern.» Der Pilates-Reformer vermittelt ein starkes Gefühl von Selbstwirksamkeit. Fortschritte sind schnell spürbar – das weiss ich auch aus eigener Erfahrung.

Was unterscheidet Pilates vom klassischen Stabilisationstraining?

Pilates-Reformer-Übungen sind eine sehr schöne Art, sich zu bewegen. Klassische Stabilisationsübungen werden meist im Liegen, aber auch häufig sitzend, kniend oder im Vierfüsslerstand durchgeführt. Die Dosierung über die unterschiedlichen Sprungfedern ermöglicht es, das Stabilisations- oder Koordinationstraining sehr präzise und individuell anzupassen. Dieser Grad an Feinabstimmung ist z. B. bei stehenden Stabilisationsübungen nicht möglich. Zudem kommt die Atmung als motorisches Steuerungselement hinzu. Diese Elemente sowie die Steuerung der gesamten funktionellen Muskelketten in einer präzisen Bewegungsführung machen die Bewegung nicht nur kräftiger, sondern auch besser organisiert.

Hast du beobachtet, dass Patient:innen durch Pilates motivierter oder aktiver werden?

Ganz klar: ja. Pilates vermittelt ihnen das Gefühl, «Ich kann das selbst beeinflussen.» Das steigert die Compliance und Gesundheit entsteht dort, wo Menschen aktiv bleiben. Ich erlebe häufig, dass die Patient:innen über die Therapie hinaus länger am Reformer bleiben.

Wie integriert man Pilates erfolgreich in der Physiotherapie?

Für eine nachhaltige Integration braucht es einerseits mindestens eine Therapeutin oder einen Therapeuten, der vom System begeistert ist. Diese Person nennen wir bei uns den «Super-User». Interessanterweise lässt sich der Funke der Begeisterung beim Pilates-Reformer viel leichter auf andere Physios übertragen als bei vielen anderen Therapiegeräten. Das Training macht Spass, und seine Wirksamkeit ist unmittelbar spürbar.

Ansonsten ist grundsätzlich dasselbe wie bei anderen Methoden sicherzustellen:

  • geschulte Therapeut:innen als Qualitätsgaranten
  • klare Reha-Prozesse: Wann wird Pilates eingesetzt?
  • fliessende Übergänge von Therapie zu Training und Prävention
  • zusätzliche attraktive Angebotsformen wie Kleingruppen oder Abo-Modelle

So entsteht ein wirtschaftlich tragfähiger und medizinisch wirksamer Mehrwert. Wir setzen dieses System z. B. auch im Personal Training ein.

Wie ist dein Ausblick? Kann Pilates ein fester Bestandteil moderner Gesundheitsversorgung werden?

Ja, Pilates kann ein entscheidender Baustein in der Versorgungskette sein – insbesondere für eine nahtlose Transition von Physiotherapie → Training → Prävention.
Pilates ist für uns keine Mode, sondern ein Qualitäts- und Alleinstellungsmerkmal moderner Physiotherapie.

Und das Wichtigste – ich wiederhole mich gerne: Es macht einfach richtig Spass, sowohl uns Physios als auch den Patient:innen.

Pilates erlebt aktuell ein starkes Wachstum im Gesundheitsmarkt und findet zunehmend den Weg aus Studios und Fitnesszentren in physiotherapeutische Behandlungssettings. Die Kombination aus präziser Bewegungssteuerung, funktioneller Kräftigung und bewusstem Atemeinsatz eröffnet Patient:innen und Therapeut:innen neue Möglichkeiten in Rehabilitation und Prävention. Wir haben mit Lucio Carlucci von der Physiotherapie MEDITOPCENTER in Seengen über seine Erfahrungen gesprochen und darüber, warum Pilates in seiner Praxis zunehmend zu einem strategischen Bestandteil der Behandlung geworden ist.

Wie kamst du dazu, Pilates in die Physiotherapie zu integrieren?

Ich habe oft erlebt, dass Patient:innen in der Therapie zwar Fortschritte machen, diese aber im Alltag nicht ausreichend verankern können. Pilates bietet ein strukturiertes System, das Bewegungsbewusstsein, Stabilität und Koordination gleichzeitig schult. Genau dieser Transfer von der Therapie in den Alltag oder in sportliche Aktivitäten hat mich überzeugt: Pilates ergänzt die physiotherapeutische Arbeit und macht sie langfristig wirksam.

Was hat dir gezeigt, dass Pilates eine sinnvolle Ergänzung sein könnte?

Bei chronischen Beschwerden, nach Operationen oder bei komplexen funktionellen Einschränkungen reichen isolierte Kraftübungen oft nicht aus. Das wissen Physiotherapeut:innen schon lange und integrieren daher propriozeptive sowie funktionelle Elemente in die Behandlung. Pilates bringt ein weiteres, wertvolles Element hinzu: Körperspannung und Core-Stabilisierung in jeder Übung. Es fordert eine deutlich erhöhte neuromuskuläre Koordination und stärkt die akzessorischen Muskeln bereits bei sehr einfachen Übungen und geringer Dosierung. Der Patient wird befähigt, Bewegung in einem ungewohnten Setting bewusst zu steuern statt sie nur auszuführen. Diese qualitative Verbesserung kann den entscheidenden Unterschied machen, welcher zum Behandlungserfolg führt.

Wir sehen deutliche Effekte bei:

  • lumbale und cervikalen Beschwerden
  • postoperativer Rehabilitation (Hüfte, Knie, Schulter)
  • Haltungsschwächen in jedem Alter
  • neurologischen Koordinationsdefiziten
  • Sportler:innen mit hohen technischen Bewegungsanforderungen
  • Personen, die seit Jahren konventionelle Übungen machen und neue Motivation benötigen

Welche Veränderungen beobachtest du bei regelmässiger Pilates-Reformer-Anwendung?

Die Patient:innen entwickeln ein deutlich ausgeprägteres Körpergefühl und entdecken Freude an dieser Form der Bewegungstherapie. Gleichzeitig beginnen sie, aktiv Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen. Schutzspannungen nehmen ab, das Selbstvertrauen in die eigene Bewegung steigt. Die Haltung verbessert sich durch einen gestärkten Core. Das sind klare Zeichen für eine erfolgreiche Rehabilitation.

Wie reagieren die Patient:innen?

Viele sind überrascht, wie intensiv Pilates-Reformer-Übungen bereits bei tiefster Dosierung sind. Ein Satz, den wir häufig hören: «Es ist nicht zu streng, aber meine Muskeln zittern.» Der Pilates-Reformer vermittelt ein starkes Gefühl von Selbstwirksamkeit. Fortschritte sind schnell spürbar – das weiss ich auch aus eigener Erfahrung.

Was unterscheidet Pilates vom klassischen Stabilisationstraining?

Pilates-Reformer-Übungen sind eine sehr schöne Art, sich zu bewegen. Klassische Stabilisationsübungen werden meist im Liegen, aber auch häufig sitzend, kniend oder im Vierfüsslerstand durchgeführt. Die Dosierung über die unterschiedlichen Sprungfedern ermöglicht es, das Stabilisations- oder Koordinationstraining sehr präzise und individuell anzupassen. Dieser Grad an Feinabstimmung ist z. B. bei stehenden Stabilisationsübungen nicht möglich. Zudem kommt die Atmung als motorisches Steuerungselement hinzu. Diese Elemente sowie die Steuerung der gesamten funktionellen Muskelketten in einer präzisen Bewegungsführung machen die Bewegung nicht nur kräftiger, sondern auch besser organisiert.

Hast du beobachtet, dass Patient:innen durch Pilates motivierter oder aktiver werden?

Ganz klar: ja. Pilates vermittelt ihnen das Gefühl, «Ich kann das selbst beeinflussen.» Das steigert die Compliance und Gesundheit entsteht dort, wo Menschen aktiv bleiben. Ich erlebe häufig, dass die Patient:innen über die Therapie hinaus länger am Reformer bleiben.

Wie integriert man Pilates erfolgreich in der Physiotherapie?

Für eine nachhaltige Integration braucht es einerseits mindestens eine Therapeutin oder einen Therapeuten, der vom System begeistert ist. Diese Person nennen wir bei uns den «Super-User». Interessanterweise lässt sich der Funke der Begeisterung beim Pilates-Reformer viel leichter auf andere Physios übertragen als bei vielen anderen Therapiegeräten. Das Training macht Spass, und seine Wirksamkeit ist unmittelbar spürbar.

Ansonsten ist grundsätzlich dasselbe wie bei anderen Methoden sicherzustellen:

  • geschulte Therapeut:innen als Qualitätsgaranten
  • klare Reha-Prozesse: Wann wird Pilates eingesetzt?
  • fliessende Übergänge von Therapie zu Training und Prävention
  • zusätzliche attraktive Angebotsformen wie Kleingruppen oder Abo-Modelle

So entsteht ein wirtschaftlich tragfähiger und medizinisch wirksamer Mehrwert. Wir setzen dieses System z. B. auch im Personal Training ein.

Wie ist dein Ausblick? Kann Pilates ein fester Bestandteil moderner Gesundheitsversorgung werden?

Ja, Pilates kann ein entscheidender Baustein in der Versorgungskette sein – insbesondere für eine nahtlose Transition von Physiotherapie → Training → Prävention.
Pilates ist für uns keine Mode, sondern ein Qualitäts- und Alleinstellungsmerkmal moderner Physiotherapie.

Und das Wichtigste – ich wiederhole mich gerne: Es macht einfach richtig Spass, sowohl uns Physios als auch den Patient:innen.

Lucio Carlucci, Dr. sc. nat. ETH, Physiotherapeut BSc

Lucio Carlucci, Dr. sc. nat. ETH, Physiotherapeut BSc

«Pilates ist für uns keine Mode, sondern ein Qualitäts- und Alleinstellungsmerkmal moderner Physiotherapie.»

«Pilates ist für uns keine Mode, sondern ein Qualitäts- und Alleinstellungsmerkmal moderner Physiotherapie.»